Reaktorunfall – Zahlen, Fakten und Mutmaßungen

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Zahlen, Fakten und Mutmaßungenreaktorunfall zeichen

Seit 1957 wurden in Deutschland sage und schreibe 110 kerntechnische Anlagen in Betrieb genommen. Heutzutage sind davon nur noch 9 Kernkraftwerke und 7 Anlagen zu Forschungszwecken übrig. Gehen wir jetzt einmal von einem schweren Reaktorunfall aus, müsste eine Zone von einem 30km Radius um den Reaktor herum, innerhalb von wenigen Stunden evakuiert werden. Schon allein die Vorstellung, das zu schaffen, ist milde gesagt, viel zu positiv gedacht. Zumal einige Schätzungen nicht nur von 30km ausgehen, sondern von mehreren hundert, ja sogar tausend Kilometern. Ein Beispiel dafür findet man in Fukushima. Noch heute werden sogenannte Hotspots mehrere hundert Kilometer weit entfernt gemessen.

Einige Schätzungen gehen sogar so weit, dass davon ausgegangen wird, dass Deutschland durch einen Reaktorunfall in Europa unbewohnbar werden könnte. Zudem gibt es Stimmen die behaupten, dass der Atomausstieg Deutschlands sinnlos ist, denn andere Länder, in denen die Richtlinien nicht so streng sind, bauen einfach neue Reaktoren. Dies begründet sich dann auf der verlorenen Leistung durch deutsche Atomreaktoren. Weiterhin gehen einige Forscher davon aus, dass der Stromverbrauch nicht allein durch Wind- und Solarenergie gedeckt werden kann.

Das Gute ist: im Land Brandenburg gibt es keinen einzigen Reaktor!


Die Wahrscheinlichkeit

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© Daniel Kunkel, MPI für Chemie, 2011

Sieht man sich die Wahrscheinlichkeitskarte der Max-Planck-Gesellschaft an, ist deutlich zu erkennen, dass Europa eine hohe Wahrscheinlichkeit einer radioaktiven Verstrahlung hat. Schätzungen legen den Verdacht nahe, dass alle 10 bis 20 Jahre ein Super Gau, also der größte anzunehmender Unfall eines Reaktors mit Auswirkung auf die Umgebung, erfolgen wird. Süddeutschland trägt dabei das höchste Risiko.

Übrigens: keines der Kraftwerke in Deutschland, würde einem Flugzeugeinschlag wie beim WTC standhalten.

Was ist Radioaktivität?

Streng genommen ist die Radioaktivität die Fähigkeit von Atomkernen, spontan ionisierende Strahlung abzugeben. Die abgegebene Strahlung ist für den Menschen nicht fühlbar aber ab einer bestimmten Dosis schädlich oder sogar tödlich. Sie lagert sich überall ab, besonders an metallischen Gegenständen und ist noch Jahrhunderte oder sogar Milliarden Jahre nachweisbar (theoretisch zumindest). Unterschieden wird beispielsweise in Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung und Neutronenstrahlung. Zum Beispiel kann die Alpha- und Beta-Strahlung kaum in den menschlichen Körper eindringen und deshalb ist die Gamma-Strahlung die, welche die Symptome bei der Strahlenkrankheit verursacht.

Wie kommt die Strahlung zum Menschen?

Die radioaktive Strahlung verbreitet sich nach einem Super Gau zusammen mit Gasen oder Aerosolen. Sie legt sich mit der Zeit auf alles Mögliche nieder und verstrahlt somit alles, womit sie in Kontakt kommt. Dazu zählen beispielsweise auch Obst und Gemüse und der Boden an sich. Indem man nun ganz normal mit seiner Umgebung interagiert, überträgt sich die Strahlung von Autos, vom Boden, von der Nahrung usw. auf den Menschen. Aus diesem Grund werden unmittelbar betroffene Gebiete dann wahrscheinlich dauerhaft evakuiert.


Was richtet die Strahlung beim Menschen an?

Hierbei reichen die Symptome von nicht vorhanden bis zum Tod innerhalb von Sekunden. Nicht vorhanden bedeutet jedoch nicht, dass keine Folgen auftreten. Hierbei können Veränderungen im Erbgut auftreten und spätere Generationen oder den eigenen Körper schädigen. Generell gilt, je höher die Strahlendosis, je stärker sind die Symptome. Zudem reicht die Todesrate von 10% bei der leichten Strahlenkrankheit bis zu 60% innerhalb der 30 Tage bei der schwersten Form. Noch stärkere Verstrahlungen sind innerhalb weniger Tage tödlich. Diese Strahlenkrankheit tritt jedoch nur bei unmittelbar verstrahlten Menschen auf. Der Bevölkerung drohen eher Spätfolgen wie Krebs. Mehr Informationen findet ihr hier.

Vorbereitung – schwierig aber nicht sinnlos

Direkt betroffene Gebiete – Vorsorge

Im Radius von 25-30km um das betroffene Kraftwerk herum, werden Menschen nach einem Super Gau evakuiert. Schon in dieser Maßnahme besteht das erste Problem. Geht man davon aus, dass mehrere tausend Menschen nach Hause, zu Kita, in die Schule oder noch schnell zum Supermarkt wollen, kann man sich das Ausmaß schnell ausmalen. In Fukushima belief sich die Zahl der zu evakuierenden Menschen auf 140tausend und das nur in einem Radius von 20km!

Wer also nicht verstrahlt werden möchte, sollte sich schon vorher Gedanken um eine eventuelle Evakuierung machen oder erst gar nicht in den betroffenen Gebieten wohnen. Dazu kann die ganze Familie mit einbezogen werden, sodass jeder seine Aufgabe hat und weiß was zu tun ist. So kann man das Gebiet schon recht frühzeitig verlassen. Hierzu könnt ihr wiederum die sagenumwobenen Fluchtrucksäcke bereithalten oder eben euer Fahrzeug entsprechend ausstatten. Der Fluchtpunkt sollte so weit weg wie möglich liegen, das heißt mehrere hundert Kilometer. Leider spielt dabei die Windrichtung eine große Rolle, was die ganze Sache nur noch schwieriger macht.

Direkt betroffene Gebiete – Maßnahmen während eines Unfalls

Welche Möglichkeiten gibt es, um alarmiert zu werden? In den Zonen rund um das Gebiet von Atomkraftwerken ist das Sirenennetz generell gut ausgebaut. Jeder der in so einem Gebiet wohnt, sollte die verschiedenen Sirenenmuster kennen. Bei einem 1 minütigen Warnton jeweils auf und abschwellend, sollte man schleunigst das Radio oder den Fernseher anschalten.

Moderne Mittel zur Alarmierung wären die Apps Katwarn oder Nina. Diese besitzen jedoch keinen ausreichenden Weckeffekt.

Hat man nicht die Möglichkeit das Haus zu verlassen, sollte man genau in diesem bleiben. Die Mauern stellen im Allgemeinen einen guten Strahlenschutz dar. Kellerräume ohne Fenster sind hier besonders gut geschützt. Zudem kann man ein weißes Tuch oder ein Laken ans Fenster hängen, um Helfern zu signalisieren, dass man Hilfe benötigt bzw. das Haus nicht allein verlassen kann. Räume in denen sich Tiere aufhalten, welche nicht evakuiert werden können, müssen mit einem “T” gekennzeichnet werden.

Befindet man sich zum Zeitpunkt des Super Gaus nicht in einem Gebäude, muss man die Kleidung ablegen und sich ausgiebig duschen, sollte man dann in einem Gebäude Schutz suchen. So wird die eine eventuelle Radioaktivität abgewaschen.


Weitere Maßnahmen:

  • kein Obst und Gemüse aus dem betroffenem Gebiet essen
  • genaue Anweisungen in Bezug auf die Jodeinnahme beachten
  • Menschen, welche älter als 45 Jahre sind, sollen kein Jod zu sich nehmen
  • Jod hilft nur unmittelbar vor einer möglichen Verstrahlung

Indirekt betroffene Gebiete

Ob ein Gebiet von einer Verstrahlung betroffen ist, liegt immer von der Windrichtung und vom Wetter ab. Es kann durchaus passieren, dass Gebiete, welche hunderte Kilometer von dem Reaktor entfernt sind, mehr verstrahlt sind, als Gebiete in unmittelbarer Umgebung. Von daher könnt ihr hier nur auf die Nachrichten oder eigenes Equipment wie einen Geigerzähler vertrauen.

Equipment

Geht man davon aus, dass man für einen effektiven Strahlenschutz vor Gammastrahlung eine mehrere Meter dicke Wand mit sich führen muss, kann man sein Equipment schnell reduzieren. Hierbei wird lediglich auf den Schutz beim Einatmen oder durch Hautkontakt wert gelegt. Das heißt man kann höchstens Überkleidung, Stiefel, Handschuhe und eine Atemmaske vorhalten. Der beste Schutz ist jedoch, wenn man das Weite sucht und erst gar nicht mit der Strahlung in Kontakt kommt.

Atemschutzfilter

A2B2E2K2-P3 fertig. Der Standardfilter für die Feuerwehr bei ABC-Einsätzen oder Nachlöscharbeiten. Dieser Filter deckt viele Einsatzmöglichkeiten ab. Deshalb wird er von der Feuerwehr verwendet, denn man weiß ja nie, was auf einen zukommt. In der Praxis wird dabei jedoch nicht auf Filter zurückgegriffen, sondern auf atemluftunabhängige Luftversorgung. Nichtsdestotrotz schützt er normale Menschen auch vor radioaktiven Stoffen. Die Gebrauchsdauer beträgt jedoch auch hier maximal 20 bis 60 Minuten und darf vor allem bei radioaktiven Stoffen nur einmal verwendet werden.

Schutzanzug, Handschuhe, Stiefelreaktorunfall en14126

Hierfür kann ein einfacher Schutzanzug aus dem Baumarkt genutzt werden. Dabei ist lediglich auf das nebenstehende Zeichen zu achten. Ebenso gilt das für die Handschuhe. Bei den Stiefeln reichen normale relativ wasserdichte Stiefel oder Gummistiefel aus. Alle anderen Stellen klebt man mit Klebeband zusammen, sodass der Staub nicht unter den Anzug krabbeln kann.

Geigerzähler

Ein geeignetes Gerät erhaltet ihr schon ab ca. 200 Euro oder eben gebraucht. Alle möglichen Onlineshops bieten genügend Geräte, je nach Bedarf an.


Wasserstoffbombe

Alle Maßnahmen und Krankheitserscheinungen gelten analog zu den oben beschriebenen. Jedoch wird bei einer Explosion einer dieser Bomben ein wesentlich höherer Schaden die Umwelt zerstören. Geht man hierbei von einem Äquivalent der Zar-Bombe aus, ist der unmittelbare Zerstörungsradius 35km. In dieser Zone ist alles zerstört. Die Zerstörung breitet sich dann weiter aus und schwächt ab. Alles in einem Radius von 4km um die Explosion wird in seine Bestandteile zerlegt. Wenn man sich vorstellt, dass die Druckwelle den gesamten Globus zweieinhalb mal umrundete, kann man sich bei 57.000.000 Tonnen Sprengkraft vorstellen, was mehrere dieser Bomben auslösen würden. Zum Vergleich, Little Boy aus Hiroshima hatte maximal 18000 Tonnen Sprengkraft und tötete bis zu 90000 Menschen unmittelbar. Bei einer 57MT Bombe, wäre eine Großstadt wie Berlin so ziemlich weg. Zudem wird eine Wasserstoffbombe durch eine Atombombe gezündet.

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