EH Splitter-, Stich- und Schussverletzungen

multiple Schusswunden erste Hilfe

Erste Hilfe in Extremsituationen bei Splitter-, Stich- und Schussverletzungen

Eine Verletzungen oder ein Trauma in einer Überlebens- oder Extremsituation können verherende Auswirkungen haben und einem unter anderem das Leben kosten. Deshalb ist es wichtig, dass diese Verletzungen schnell und kompetent behandelt werden, auch wenn kein Arzt in der Nähe ist.

Für Verletzungen oder schwere Folgen durch die folgenden Hinweise übernehmen wir keine Haftung. Im Zweifelsfall ist immer ein Arzt zu kontaktieren.

Mögliche Verletzungen

  • Knochenbrüche (offene und geschlossene)
  • Splitterverletzungen
  • Wunden durch Stich-, Schuss-, Schlagverletzungen
  • Auskugeln von Gelenken
  • Zerrungen oder Überdehnungen
  • Sturzverletzungen wie Rupturen oder Innere Blutungen
  • Schädelhirntrauma
  • Pfählverletzungen
  • Verbrennungen
  • Erfrierungen

Mögliche Folgen

  • Infektionen innerer Organe
  • Wundinfektionen
  • eingeschränkte Mobilität
  • erhöhte Mortalität
  • weitere Verletzungen
  • Schwindel, Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen
  • Volumenschock
  • Fettembolie der Lunge
  • Bewusstseinsstörungen
  • Blutvergiftung, Bauchfellentzündung
  • Verblutung
  • Schwäche

Behandlung einzelner Verletzungen

Splitterverletzungen

Einfache Splitterverletzungen können schnell passieren zum Beispiel beim Holzhacken oder beim Durchforsten von Wäldern. Meistens bringen diese Verletzungen keine Folgen mit sich und sind schnell und einfach zu beseitigen. Dabei werden der oder die Splitter einfach mit einer desinfizierten Pinzette oder Nadel entfernt und eventuelle Wunden ebenfalls desinfiziert. Meistens reichen diese Maßnahmen schon aus, allerdings können kleinere Splitter in der Wunde verbleiben und werden später mit Eiter ausgestoßen. Tiefsitzende Splitter können es erforderlich machen, dass der Bereich betäubt werden muss und erst danach der Splitter entfernt werden kann. Auch kann ein mehrminütiges warmes Seifenbad helfen, die Splitter heraus zubekommen. Nun kann die Wunde nun noch mit einem Pflasterspray verschlossen werden.

Bei größeren Wunden muss eine erweiterte Wundversorgung stattfinden. Nichtsdestotrotz besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wunde entzündet. Oft bleibt die Entzündung lokal beschränkt und kann durch tägliches Ausspülen oder Seifenbäder beseitigt werden. Ist dies nicht der Fall und die Entzündung breitet sich aus, so kann eine Anwendung von Antibiotika angezeigt sein. Wie bereits erwähnt, ist der letzte Fall jedoch nicht sehr wahrscheinlich.

Stichverletzungen

Bei Stichverletzungen besteht im Gegensatz zu leichten Splitterverletzungen eine hohe Infektions- und Blutungsgefahr. Dabei kann es vorkommen, dass äußere Blutungen gering sind, innere Blutungen dagegen enorm sein können. Eine Überlebenschance besteht hierbei kaum, wenn keine ärztliche Hilfe zur Verfügung steht. Oft hilft hier nur noch eine Operation. Tiefe Stichwunden können von außen kaum beurteilt werden, weshalb noch fest steckende Gegenstände nicht entfernt werden sollten. Hierbei wäre es möglich, dass sich Körperhöhlen eröffnen, wodurch über kurz oder lang der Tod eintritt. Möglicherweise muss der Gegenstand noch abgepolstert werden, sodass beim Transport keine Folgeschäden auftreten. Danach muss die Wunde wenn möglich steril abgedeckt werden.

Besteht augenscheinlich keine innere Blutung, beispielsweise bei oberflächlichen Stichwunden, so muss die Wunde ordentlich desinfiziert und gereinigt werden. Hierzu kann die Wunde mit steriler Kochsalzlösung ausgespült oder mit einem Schleimhautdesinfektionsmittel desinfiziert werden. Wenn möglich muss hier eine akurate Wundversorgung durchgeführt werden.


Die Wundheilung bei Stichwunden ist eher schlecht, da die Wundränder glatt sind und somit nicht optimal zusammen wachsen können. Eine Wundnaht kann hier auf mehrere Weisen durchgeführt werden. Eine Möglichkeit ist eine Einzelknopfnaht, welche einfach durchzuführen und gleichermaßen effektiv ist. Hierbei wird kaum Wert auf das kosmetische Ergebnis gelegt. Natürlich ist es möglich hierfür einfache Nahtmaterialien wie normale Nadeln und Binnfaden zu nutzen, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit des Reißens oder einer Infektion sehr hoch. Zudem müssten gerade Nadeln vorher gebogen werden, umso eine bessere Durchführung zu gewährleisten. Eine Sterilisierung der Materialien durch abkochen ist hierbei unentbehrlich, zudem muss das Wundgebiet großflächig desinfiziert werden.

Schussverletzungen

multiple Schusswunden erste Hilfe
multiple Schusswunden

Schussverletzungen können trügerisch sein. Einerseits ist die Eintrittswunde relativ klein, anderseits ist die Austrittswunde relativ groß. Teilweise splittern die Geschosse regelrecht auf und hinterlassen schreckliche innere Wunden und einen vergrößerten Wundkanal. Nicht zuletzt werden noch Knöpfe, Stoff oder Metallteile der Kleidung mit in die Eintrittswunde gerissen. Dies ist unter anderem der Grund warum Schusswunden so traumatisch wirken können und auch erst leicht aussehende Verletzungen tödlich enden können.

Folgen eines Schusses können Risse in inneren Organen oder Rupturen von Arterien sein. In einer Gefahrensituation ohne direkte professionelle rettungsmedizinische oder ärztliche Hilfe besteht eine hohe Chance, dass eine Schussverletzung tödlich endet. Zu bedenken ist, dass das Geschoss an Knochen abprallen kann und dadurch auch quer durch den Körper fliegen kann. Unter anderem nutzen böse Menschen cal. 22 Geschosse, um Kopfschüsse so tödlich wie möglich wirken zu lassen. Hierbei hat das Geschoss genügend Kraft durch den Schädel einzutreten, kann durch die Verringerung der Geschwindigkeit beim Eintritt die “Kugel” nicht mehr austreten. Dabei prallt das Geschoss immer wieder an der Innenseite ab und durchfährt somit mehrmals den Kopf und richtet großen Schaden an.

Weiterhin kam es schon vor, dass geschosse im Hals eingetreten und in Bauchnähe wieder ausgetreten sind.

Hier ein Beispiel, wie Schusswunden wirken, sehr schön erklärt!

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Was kann man nun machen?

Hat man keine Ahnung von Operationstechniken sieht die Versorgung von inneren Verletzungen schlecht aus. Lediglich die äußeren Verletzungen können mit Verbands- oder Nahtmaterial versorgt werden. Mit einer Pinzette kann man allenfalls noch versuchen, die Fremdkörper aus der Wunde zu entfernen.


Blutungen

selbstgemachter tourniquetBei starken Blutungen an Extremitäten können ein Druckverband oder ein Tourniquet das Verbluten verhindern. Zudem kann man einen Tourniquet einfach selbst herstellen. Dazu nimmt man einfach ein Tuch, wickelt es um die Extremität und dreht dieses oben mit einem Stock zusammen. Fixiert man nun diesen Stock, wird die Blutversorgung soweit abgedrückt, dass starke Blutungen aufhören sollten. Steht kein Tourniquet oder Druckverband zur Verfügung so reicht manueller Druck auf die Wunde aus. Wichtig bei der Nutzung eines Druckverbandes oder Tourniquet ist das DMS Schema.

DMS – Durchblutung, Motorik, Sensibilität

Durchblutung – auch bei abgebundener Extremität sollte der Bereich unterhalb der Verletzung warm sein. Ist beispielsweise das Bein oder der Arm kalt, so sollte der Verband etwas gelockert werden. Andernfalls könnte die Extremität absterben.

Motorik – Gelenke und Finger bzw. Zehen sollten stets beweglich sein. Ist dies nicht möglich, so sollte der Verband ebenfalls gelockert werden.

Sensibilität – Areale unterhalb der Verletzung sollten durch leichte Schmerzreize überprüft werden.

Blutungen an Hals oder Gesicht

Hier können oben genannte Methoden nicht genutzt werden, deshalb reicht hier meist ein einfacher Verband aus. Der Blutfluss darf natürlich nicht am Hals zu stark abgedrückt werden.

Bewusstseinszustand

Dieser kann mit der Clasgow Koma Skala eingeschätzt werden.

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Kardiopulmonale Reanimation

Link zu bestehendem Artikel

Weiteres

Nach Schuss-, Stich- oder Splitterverletzungen ist es wichtig, dass eine schnelle und adäquate Versorgung erfolgt. Zwar können einfache Verletzungen noch selbst behandelt werden, andere wiederum benötigen professionelle Hilfe.

Weiterführende Lektüre

Trema e.V. Richtlinien

Prellschuss

Prellschüsse sind eine “gute” Art einer Schussverletzung. Hierbei tritt das Geschoss nicht in den Körper ein. Dies kann die Folge einer schussbehemmenden Weste oder eines Gummigeschosses sein. Hierbei können natürlich trotzdem innere Organe verletzt oder beispielsweise Rippen gebrochen werden. Vor allem bei Geschossen, welche nicht in den Körper eindringen sollen, können trotzdem Augenverletzungen auftreten, welche zur Erblindung oder zum Verlust eines Auges führen können. Behandeln kann man Hämatome nicht und zudem fehlen für die inneren Verletzungen wiederum die Kompetenzen.

Streifschuss

Ebenfalls eine “gute” Art einer Schussverletzung ist ein Streifschuss. Wie der Name schon sagt und wie jeder kennen sollte, streift das Geschoss den Körper lediglich. Dabei werden die oberen Schichten der Haut verletzt. Alles in allem ist diese Wunde einfach zu versorgen.


Steckschuss

Hierbei bleibt das Geschoss im Körper stecken und führt teilweise zu schwersten inneren Verletzungen. Hier hilft wiederum auch nur eine Operation. So einfach wie die Entfernung des Geschosses im Film immer aussieht, ist es noch lange nicht. Abgesehen von den starken Schmerzen, treten die meisten Geschosse so tief ein, dass ein einfaches Messer die Sache nicht lösen kann.

Durchschuss

Wie oben erwähnt wird der Wundkanal bei einem Durchschuss von klein zu groß. Hierdurch entsteht eine große Austrittswunde, wodurch viel Gewebe abgerissen werden kann.

Hinweis: bei Verletzungen von Extremitäten sollten diese nicht abgebunden werden, denn hierdurch kann es zu Amputationen durch Unterversorgung kommen.

Eine nette Möglichkeit, eine Schusswunde von innen zu versiegeln:

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Folgen

Bei allen bisher genannten Verletzungen können Fremdkörper, Bakterien oder Viren in den Körper eintreten und so zu einer Infektion führen. Wird diese nicht adäquat behandelt, führt sie früher oder später zum Tod. Möglicherweise führen Sickerblutungen im weiteren Verlauf zu Anämie und somit zu Schwäche, Volumenschock und irgendwann unbehandelt ebenfalls zum Tod.

Im Nächsten Teil

  • Knochenbrüche (offene und geschlossene)
  • Schlagverletzungen
  • Auskugeln von Gelenken
  • Zerrungen oder Überdehnungen

Im Teil danach

  • Sturzverletzungen wie Rupturen oder Innere Blutungen
  • Schädelhirntrauma
  • Pfählverletzungen
  • Verbrennungen
  • Erfrierungen
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