Schutz des Eigenheims: Selbst nachrüsten

© ABUS August Bremicker Söhne KG

Schutz des Eigenheims: Selbst nachrüsten

Vorab: wer handwerklich nicht begabt ist, sollte Freunde, Nachbarn oder einen Profi zur Installation von zusätzlichen Sicherungen heranrufen!

Grundlagen: Schutzklassen

Früher hießen die Schutzklassen einfach Wiederstandklasse. Da in Englisch alles besser klingt, nennt man diese heute resistance class. Diese Klassen beschreiben einfach, wie lange der Bösewicht benötigt, um durch das Fenster oder die Tür zu knacken. Die magische Grenze ist hier 5 Minuten. Statistisch gesehen, geben Einbrecher nach 5 Minuten auf und gehen ihrer Wege.

Resistance Class Belastung durch einen Einbruchversuch Widerstandzeit
RC1N Einbruchsversuch mit körperlicher Gewalt wie Gegentreten, Gegenspringen, Hochschieben o.ä. Fenster der Widerstandsklasse 1 weisen einen nur sehr geringen Einbruchschutz auf.
RC2N Der Gelegenheitstäter versucht, zusätzlich mit einfachen Werkzeugen, wie Schraubendreher, Zange und Keil, das verschlossene und verriegelte Bauteil aufzubrechen. Ein direkter Angriff auf die eingesetzte Verglasung ist nicht zu erwarten. Die Klasse wird lediglich mit Standardfensterglas (d.h. ohne Sicherheitsverglasung) ausgeführt.  3 Min.
RC2 Der Gelegenheitstäter versucht zusätzlich mit einfachen Werkzeugen wie Schraubendreher, Zange und Keile das Fenster aufzubrechen. Fenster der Widerstandsklasse 2 haben einen geringen durchschnittlichen Einbruchschutz. 3 Min.
RC3 Der Täter versucht zusätzlich mit einem zweiten Schraubendreher und einem Kuhfuß Zutritt zu erlangen. RC3 Fenster weisen einen hohen Einbruchschutz auf. 5 Min.
RC4 Der erfahrene Täter setzt zusätzlich Säge- und Schlagwerkzeuge z. B. Schlagaxt, Stemmeisen, Hammer und Meißel – sowie eine Akku-Bohrmaschine ein. Fenster der Widerstandsklasse 4 haben einen sehr hohen Einbruchschutz. 10 Min.
RC5 Der sehr erfahrene Täter setzt zusätzlich Elektrowerkzeuge z. B. eine Bohrmaschine, Stichsäge oder Säbelsäge und Winkelschleifer mit einem max. Scheibendurchmesser von 125 mm ein. Fenster der Widerstandsklasse 5 haben einen sehr, sehr hohen Einbruchschutz. 15 Min.
RC6 Der sehr erfahrene Täter setzt zusätzlich Elektrowerkzeuge wie z. B. Bohrmaschine, Stichsäge oder Säbelsäge und Winkelschleifer mit einem max. Scheibendurchmesser von 230 mm ein. Fenster der Widerstandsklasse 6 haben einen extrem hohen Einbruchschutz. 20 Min.

Pilzkopfverriegelungen

Pilzkopfverriegelungen(PKV) können es Einbrechern schwierig machen. Beispielsweise geben mitunter die Anzahl der PKV an Fenster oder Türen an, in welche Schutzklasse das jeweilige Fenster hat. Andersherum reichen PKV allein natürlich nicht aus. Heutzutage können diese aber selbst gut nachgerüstet werden.

Fenstersicherheit

abschließbare Griffe

©ABUS August Bremicker Söhne KG . Fensterschloss
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©ABUS August Bremicker Söhne KG . Fensterschloss mit Druckknopf
©ABUS August Bremicker Söhne KG . Fensterschloss mit Druckknopf

Nun könnte man annehmen, dass mehrere Pilzkopfverriegelung pro Fenster allein ausreichen, um einen Einbrecher aufzuhalten. Für den einfachen Dieb mag das stimmen. Bei etwas professionelleren Einbrechern sieht das jedoch anders aus. Diese könnten auf die Idee kommen und einen Pilzkopf zur Seite zu schieben. Hierbei würden sich alle gleichzeitig verschieben und das Fenster sich schließlich öffnen lassen. Hierzu sind natürlich einige Kenntnisse nötig, da man genau wissen muss, wo die Pilze sitzen.

Um sein Fenster nun noch sicherer zu gestalten, gibt es eine simple Möglichkeit, diese Methode zu verhindern. Hierbei können einfache Verriegelungen wie Druckknöpfe oder Schlösser an den Griffen angebracht werden.

Zusatzschlösser und andere Techniken

Eine weitere einfache Möglichkeit sein Haus oder seine Wohnung etwas sicherer zu gestalten besteht in Zusatzschlössern. Diese können selbst oder vom Profi an das Fenster befestigt werden und bieten einen erheblichen Schutz. Hierbei stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Einerseits ist eine Öffnung mit einem Zahlencode, andererseits mit einem Schlüssel möglich. Weiterhin gibt es auch andere Möglichkeiten wie Teleskopstangen, welche schnell montiert werden können und sogar einen Teil vom Fenster bedecken.

Rollladen- & Gitterrostsicherungen

Rollläden sollen ja an sich schon einen gewissen Schutz bieten. Dass viele einfach hochgeschoben werden können und der Täter so trotzdem ziemlich einfach das Fenster erreicht, wird häufig verschwiegen. Dennoch gibt es auch hierfür Sicherungen. Vor allem wenn man selbst im Urlaub ist und nur der Nachbar jeden Tag einmal vorbeischaut, kann diese Barriere hilfreich sein. Denn so stellt nicht nur das Fenster eine eigene Barriere dar, sondern eben auch die Rollläden.

Ein Gitterrost eines Kellerfensters kann leicht mit einer Zusatzkette gesichert werden. Hierzu wird das Mauerwerk einfach mit dem Gitter verbunden, so wird das Hochheben des Gitters ganz einfach verhindert.


Türsicherheit

Als erstes sollte die gesamte Tür beäugt werden. Hierbei gibt es einfache Gesichtspunkte, mit welcher die Tür eingeschätzt werden sollte:

  • wie dick ist das Material der Tür?
  • ist die Tür schon älter?
  • wird es einem Aufbruchsversuch vermutlich standhalten?
  • sind schon Sicherheitsmaßnahmen vorhanden?
  • wird der Türrahmen einem Aufbruchsversuch vermutlich standhalten?
  • gibt es Fensterelemente, welche einen Einbruch erleichtern könnten?

Hierbei ist zu beachten, dass selbst Metalltüren oder verstärkte Türen zwar einem Aufbruch standhalten, der Rahmen jedoch schnell nachgibt. Nichtsdestotrotz kann es erforderlich werden, dass die Tür durch zum Beispiel eine neue Sicherheitstür ausgetauscht werden sollte.

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Zusatzschlösser

Eine wirklich einfache Möglichkeit eine Tür zu sichern ist es, Zusatzschlösser nachzurüsten. Hier gibt es unter anderem die Möglichkeit Schlösser zu nutzen, mit welchen die Tür noch leicht geöffnet werden kann oder eben jene, mit denen die Tür keinen Spalt zu öffnen ist. Von Sicherheitsketten würden wir nichtsdestotrotz abraten, da diese bei geöffneter Tür schnell durchtrennt werden könnten.

Weiterhin sind Türriegel eine lohnende Alternative. Diese bieten sogar deutlich mehr Sicherheit als einfache Zusatzschlösser. Dadurch dass die gesamte Tür abgesperrt wird, müsste ein Einbrecher schon die komplette Tür entfernen, um dadurch zu gelangen.

Sicherheitszylinder, Sicherheitsbeschläge & Schutzrosetten

Fehler Nummer eins bei Türen: die Tür nur ins Schloss fallen lassen. Viele sind immer noch der Meinung, dass die Tür dadurch ja geschlossen ist. Hier kann ein Amateur innerhalb von wenigen Sekunden die Tür öffnen. Ein Abschließen der Tür macht es dem Amateur erheblich schwerer, die Tür mit einem Schraubenzieher oder einem Brecheisen zu öffnen.

© ABUS August Bremicker Söhne KG Sicherheitsbeschlag gegen verschiedene Aufbruchmethoden

Natürlich sollte die Tür hierbei nicht aus Pappe bestehen und es wäre von Vorteil, wenn auch hier weitere Sicherheitsmechanismen wie beispielsweise zusätzliche Haken vorhanden wären.

Jedoch können herkömmliche 15 Euro Schlösser meistens einfach aufgebohrt werden, da lediglich einfache Metallstifte das Schloss sichern. Bei höherwertigen Schlössern sichert härterer Stahl den Zylinder vor Aufbohren und zusätzlich sichert ein Kernziehschutz davor, dass der Schlosskern mit einer Spezialschraube herausgezogen werden kann.

Sicherheitsbeschläge bieten auch bei herkömmlichen Schlössern einen gewissen Schutz, da diese ebenfalls das Aufbohren, Herausziehen des Zylinders und andere mechanische Methoden verhindern oder erschweren.

© ABUS August Bremicker Söhne KG Schutzrosetten

Hierbei wird das Schloss von hochrobustem Stahl umgeben und hält dadurch vielen Methoden stand.

Überall dort, wo Schutzbeschläge nicht möglich sind, können immerhin Schutzrosetten eingesetzt werden. Diese schützen ebenfalls den Zylinder vor Manipulationen.

Schutz vor Lockpicking


Zwar können Sicherheitsbeschläge und Schutzrosetten vor mechanischer Gewalt schützen, jedoch können sie gegen Lockpicking nichts unternehmen. Hierbei werden die Stifte im Schloss mit einem Dietrich oder einem E-Pick in die richtige Position gerückt und so geöffnet werden. Hiervor können Sicherheitsschlösser mit Bohrmulden oder elektronische Schlösser helfen. Ein Schloss mit Bohrmuldenschlüssel kann durch Lockpicking nicht geöffnet werden, weil hierbei die Stifte von mehreren Seiten in den Schlüssel eingreifen.

Bei elektronischen Schlössern geht man heute noch davon aus, dass ein Hacken nicht lohnenswert ist, da die Tür meist mit einfacheren Mitteln geöffnet werden kann. Wer eine Tür absolut sichern möchte, kann gut und gerne über 1000 Euro ausgeben. Meistens reicht es jedoch vollkommen einen etwas besseren Schutz als der Nachbar zu besitzen.

Schutz vor Aufhebeln

Oft können Schlüsseldienste Türen öffnen, indem diese einfach ausgehebelt werden. Dies geschieht oft an den Scharnieren, weshalb ein Scharnierschutz angebracht ist. Diese verhindern das Aufhebeln.

Sicherungen für Schuppen & Transporter

Ein Fehler welcher vielen Eigenheimbesitzern unterläuft und somit eine erhebliche Auswirkung auf den Versicherungsschutz haben kann, besteht darin, dass zum Beispiel Schuppen, Gärten, Scheunen und andere Ablageorte von Werkzeugen nicht ausreichend gesichert sind. Da Gelegenheit Diebe macht, könnten diese in Versuchung kommen, eure eigenen Werkzeuge wie beispielsweise ein Brecheisen oder einen Hammer gegen euch zu verwenden. Dabei wäre die Sicherung hier wesentlich einfacher als bei einer Haustür.

Wir danken unserem Bildersponsor ABUS


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